Startseite / Leseliste
Sechs Plätze für einen Winter
Takt & Tuch ·

Vom 1. Oktober bis zum 31. März sind es sechsundzwanzig Wochen und ebenso viele Mittwochabende. Ein Monat hat vier oder fünf Mittwoche; bei neunzig Minuten pro Abend reicht das für ein Buch von zweihundertfünfzig bis dreihundertfünfzig Seiten. Die Leseliste für den Winter hat deshalb sechs Plätze, einen für jeden Monat.
Die Mischung
Sechs Plätze erlauben eine Mischung für den ganzen Winter: zwei Romane, ein Sachbuch, eine Biografie, ein Reisebericht und ein Band mit Erzählungen. Die Erzählungen kommen in den März, weil dort der letzte Mittwoch dem Journal gehört und sich einzelne Geschichten auch an weniger Abenden abschließen lassen. Das Buch mit den meisten Seiten, in der Regel einer der beiden Romane, kommt in einen Monat mit fünf Leseabenden; in diesem Winter ist das nur der Dezember. Auf dem Blatt steht jeder Platz mit Monat, Art des Buches und Titel; darunter folgen, durch eine Linie abgetrennt, die Ersatztitel.
Gefüllt wird die Liste Ende September an zwei Abenden. Grundlage sind das Journal des Vorjahres, Titel, die in Gesprächen genannt wurden, und ein Rundgang entlang der Regale mit den Neuerwerbungen der Stadtbibliothek.
Drei Titel in Reserve
Unter den sechs Plätzen stehen drei Ersatztitel. Ein Buch, das nach fünfzig Seiten nicht überzeugt, geht zurück ins Regal oder in die Bibliothek, und der erste Ersatztitel rückt nach. Gestrichen wird dabei nichts: Im Journal bekommt das abgebrochene Buch einen eigenen Eintrag, und die Notiz nennt die Seitenzahl, bei der abgebrochen wurde, und den Grund. Wer im Frühjahr nachlesen möchte, warum ein Titel liegen blieb, findet dort die Antwort.
Leihfristen im Hauskalender
Bücher aus der Stadtbibliothek haben eine Leihfrist, die bei vielen Bibliotheken drei oder vier Wochen beträgt. Damit ein geliehener Titel nicht mitten im Monat zurückgehen muss, steht das Rückgabedatum im Hauskalender an der Küchentür, und kurz vor Ablauf wird die Ausleihe über das Leserkonto erneuert. Ist ein Buch von anderen vorgemerkt, lässt sich die Ausleihe meist nicht erneuern. Dann tauscht der Titel den Platz mit einem Buch aus einem späteren Monat, oder er wird gekauft.
Was ins Journal gehört
Das Lesejournal hat für jedes Buch sieben Felder: Datum des ersten Abends, Titel, Autorin oder Autor, Verlag, Herkunft des Exemplars, wer das Buch genannt hat, und eine Notiz von zwei oder drei Sätzen. Manche Notizbücher haben solche Felder vorgedruckt, oft sogar einige mehr; in einem linierten Heft genügt es, die Namen der sieben Felder mit Bleistift an den Rand zu schreiben.
Bei der Herkunft genügen vier Angaben: Buchladen, Bibliothek, Antiquariat oder geliehen von Bekannten. So lässt sich im März schnell nachvollziehen, welche Bücher zurückgegeben werden müssen und welche im eigenen Regal bleiben.
Ende März
Am letzten Mittwoch im März wird statt eines Buches das Journal gelesen. Die Notizen zeigen, welche Art Buch in diesem Winter überzeugt hat und welche nicht, und aus den notierten Titeln und Hinweisen entsteht der erste Entwurf der Liste für den nächsten Oktober. Bücher, die im Winter gekauft wurden, bekommen danach einen festen Platz im Regal; die geliehenen sind zu diesem Zeitpunkt alle zurückgegeben. Der Sommer bleibt ohne Liste.

